Talente

14 Januar 2019IDM

Die Agrarwissenschaftlerin Gesa: „In Südtirol zu lehren, ist für mich eine Herzensangelegenheit“

Nach einem PhD in Deutschland und Forschungsaufenthalten in Spanien und Kanada ist die Forscherin nun an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik in Bozen tätig. „Die Berglandwirtschaft ist ein Kulturgut mit einem enormen Wert für die gesamte Gesellschaft“

Kann man an einer Universität lehren, schon eine beachtliche Karriere hinter sich haben und das alles mit gerade einmal 32 Jahren? Man kann. Oder besser: Gesa kann. Aber der Reihe nach…

Eine Woche vor Semesterbeginn treffen wir Gesa Busch an der Freien Universität Bozen, wo sie uns erzählt, dass sie in Göttingen Agrarwissenschaften studiert, ihr Studium mit einem PhD abgeschlossen und Forschungsaufenthalte in Spanien und Kanada hinter sich hatte, bevor sie an die Fakultät für Naturwissenschaften und Technik in Bozen berufen wurde. Dabei hat Gesa keine Wurzeln in der Landwirtschaft, sondern einfach ein tiefgreifendes Interesse daran, wie sich dieser so fundamentale Zweig der Wirtschaft und die Gesellschaft begegnen. „Auf der einen Seite haben wir die Landwirte, die Nahrungsmittel für die Gesellschaft produzieren“, erklärt Gesa, „auf der anderen die Gesellschaft, die von der Landwirtschaft immer mehr Nachhaltigkeit, Tierwohl und die Produktion von gesunden Lebensmitteln fordern“. Diesem Trend müsse die Landwirtschaft Rechnung tragen.

„Ich habe hier viele Menschen mit einem offenen, innovativen Geist kennengelernt, die nach Lösungen und ganz individuellen Wegen suchen“ 

Die Frage, die sich Gesa stellt, ist jene nach einer bestmöglichen Annäherung dieser zwei Welten durch die Aufwertung der landwirtschaftlichen Kultur. Deshalb sucht die Forscherin nach effizienten Kommunikationskanälen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft, Bauern und Konsumenten. Es geht also – auch in ihrer Lehrtätigkeit – um Agrarmärkte und Marketing, um Zukunftsszenarien, Lösungsansätze und Innovation – nicht zuletzt in der Berglandwirtschaft.

„In Südtirol zu lehren, ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt Gesa mit einem strahlenden Lächeln und erklärt auch warum: Sie möge die Leute, vor allem die Bauern, mit denen sie eng zusammenarbeite. „Ich habe hier viele Menschen mit einem offenen, innovativen Geist kennengelernt, die nach Lösungen und ganz individuellen Wegen suchen“, so Gesa, die überzeugt ist, dass vor allem Bergbauern gute Verkaufskanäle für ihre Produkte bräuchten. „Nur so kann ein wirtschaftlich stabiles Fundament für die Höfe geschaffen werden, was Voraussetzung für das Überleben der Bergbauern ist“, so die Forscherin. Gesa erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Bedeutung der Berglandwirtschaft für die Pflege der Landschaft, für die Erhaltung der Almen und damit auch für den Tourismus. „Die Berglandwirtschaft ist ein Kulturgut mit einem enormen Wert für die gesamte Gesellschaft“, sagt Gesa, „und die Bauern sind die Architekten dieses Kulturgutes“.

„In Bozen kann ich Lehre und Forschung verbinden und habe die Möglichkeit, neue Wege zu gehen“

Obwohl sie Südtirol demnach mit den Augen einer Wissenschaftlerin betrachtet, ist es auch das Herz, das aus ihr spricht. „Mir gefällt die Lehre“, so Gesa, „aber die Forschung empfinde ich als noch motivierender, weil ich darin meine eigenen Ideen entwickeln und mir neue Kenntnisse aneignen kann“. Ideal sei natürlich, wenn man Lehre und Forschung verbinden könne, was in Bozen möglich sei. „Hier habe ich die Möglichkeit, neue Wege zu gehen und alles, was ich auf diesen neuen Wegen lerne, meinen Studenten weiterzugeben“, sagt Gesa.

„Die Ruhe und der Frieden hier helfen nach einem stressigen Arbeitstag“

So ist Südtirol mit seiner Universität in Bozen, seinen Bergen und Bauern zu einem wichtigen Bestandteil in Gesas Leben geworden. Hier fühlt sie sich mittlerweile zu Hause und hat sich im kleinen Dorf Margreid in Südtirols Süden niedergelassen. „Margreid ist ein ruhiges, sehr schönes Plätzchen, das mir von Anfang an gefallen hat“, erzählt Gesa, die im historischen Teil des Dorfes wohnt. „Die Ruhe und der Frieden hier helfen nach einem stressigen Arbeitstag“, sagt Gesa, die das Leben in einem kleinen Ort jenem in der Stadt vorzieht. „Natürlich musste ich einen Wohnort finden, der per Bahn gut an Bozen angebunden ist, damit ich täglich zur Uni pendeln kann“, erzählt sie.

„Zwischen Bergen, Apfelwiesen und Weinbergen Tennis spielen zu können, ist einmalig“

In Südtirol hat Gesa ein Arbeitsumfeld gefunden, in dem sie sich entwickeln kann. Und weil das Leben nicht nur aus Arbeit besteht, hat sie sich in Margreid auch nach einem Tennisclub umgesehen – und ihn auch gefunden. „Zwischen Bergen, Apfelwiesen und Weinbergen Tennis spielen zu können, ist einmalig“, schwärmt sie. Der Tennisclub bietet ihr zudem die Möglichkeit, Leute außerhalb der Arbeit kennenlernen zu können. Am Freitagabend etwa treffen sich im Margreider Club die Spieler, deren Freunde und Familien auf ein Gläschen. „Während der Arbeit habe ich es vor allem mit Viehbauern zu tun, der Tennisclub hat mir die Chance gegeben, Leute aus ganz anderen Bereichen, mit anderen Erfahrungen und anderen Berufen zu treffen“, erzählt Gesa. „Es sind diese Augenblicke, in denen ich Südtirol wirklich kennenlerne und ich muss sagen: es gefällt mir sehr.“

Fact Sheet

Hier lebt Gesa

Magrè

Die bezaubernde Gemeinde im Süden Südtirols liegt am rechten Ufer der Etsch zwischen 207 und 1.260 m ü.d.M. Seit jeher ist das Gebiet hier in der Nähe der Salurner Klause Bindeglied zwischen zwei Kulturen, da es sich an der Landes- und Sprachgrenze zum benachbarten Trentino befindet. So spürt man auch ein wenig das Gefühl der “Dolce vita” und die Architektur wurde stark davon geprägt: Torbögen, gotische Erker oder steingerahmte Rundbogenfeste mit schmiedeisernen Gittern machen den Einfluss des Südens unverkennbar. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über gut 14 km², davon sind ganze 131 ha den Weinreben und 191 ha den Obstwiesen gewidmet. Die Gemeinde zählt ca. 1.100 Einwohner und besteht aus dem Dorf Magreid und dem Ortsteil Unterfennberg, hoch über dem Tal auf 1.036 m ü.d.M. gelegen. Schon immer war der Fennberg, welcher fast 1000 m hinter dem Dorf emporragt, Naherholungsziel der Bewohner von Margreid, aber auch jener von Kurtinig und Kurtatsch.

Hier arbeitet Gesa 

Gesa arbeitet an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Universität Bozen. 

An der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik lehren und forschen 25 Professorinnen und Professoren und eine ständig steigende Anzahl an Forscherinnen und Forschern in den Bereichen Agrarwissenschaften und Umweltmanagement, Industrie-, Maschinen- und Energieingenieurwesen, Automation sowie in den Grundlagenwissenschaften.

Nachhaltigkeit und Interdisziplinarität sind die Grundlagen, auf die die Fakultät baut, wenn es darum geht, komplexe Probleme bei der Erschließung von Berggebieten, in den Bereichen Energieeffizienz, Nahrungsmittelproduktion und -qualität sowie Prozess- und Produktinnovationen für die Industrie zu lösen. 

Die über 300 Studierenden finden an der Fakultät aufgrund der optimalen Betreuungsrelation und der modernen Ausstattung (Labore, Lehrräume, Bibliothek) optimale Studienbedingungen vor. Austauschmöglichkeiten und internationale Kooperationen mit Universitäten weltweit bieten Studierenden, Forschern und Professoren sehr gute Bedingungen für eine wissenschaftliche Karriere auch innerhalb der Universität.