Forschung

20 Dezember 2018IDM

Von Sensorik bis „Data Analysis“: So werden Skipisten immer sicherer

Unternehmen, Forscher und Athleten beim „Safety Innovation Summit“, um gemeinsam innovative Tech-Lösungen für mehr Pistensicherheit voranzutreiben

Er fuhr schneller als 100 km/h, um sich auf die Rennen in Lake Louise vorzubereiten, aber das Training auf der Abfahrtsstrecke im kanadischen Nakiska endete für ihn tödlich: David Poisson, der 35-jährige französische Skirennläufer, Gewinner der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 2013 in Schladming, durchbrach bei einem Sturz zwei Sicherheitsnetze vom Typ B und landete im an die Strecke angrenzenden Wald, wo er frontal gegen eine Baum prallte, er starb noch am Unfallort. Nur wenige Wochen später war es der Nachwuchsläufer des deutschen Nationalteams, Max Burkhart, der in Calgary starb – an den Folgen der Verletzungen, die er sich bei einem Sturz während eines Trainingslaufs der Nor-Am-Serie zugezogen hatte. Es sind dies zwei der Unfälle, die die Skiwelt in letzter Zeit erschüttert haben, und die vor Augen geführt haben, wie gefährlich dieser so aufregende und von Adrenalinkicks geprägte Sport sein kann. 

„Risiken reduzieren durch technologische Weiterentwicklung“

Die Gefahren im Skirennsport waren auch der Anlass dafür, dass sich am 11. und 12. Dezember in Südtirol Unternehmen, Athleten, Forscher und Organisatoren von einigen der wichtigsten Veranstaltungen der Branche getroffen haben, um das Risiko durch gemeinsam erarbeitete Innovationen zu verringern. „Wir haben Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen – jeder davon ein Experte auf seinem Gebiet – dazu gebracht, zusammenzuarbeiten, damit wir das Thema Streckensicherheit aus verschiedenen Perspektiven betrachten können. So entstand der Safety Innovation Summit, eine Kick-off-Initiative, von der wir hoffen, dass sie zukünftig zur Entwicklung neuer nützlicher Synergien führen wird, die Innovationen für die Skiwelt generieren. Innovationen, die das Südtiroler Ökosystem dank seiner Erfahrung im Sektor und dem starken Netzwerk von Forschungseinrichtungen vor Ort beschleunigen möchte. Wir sind überzeugt davon, dass die technologische Weiterentwicklung der Weg ist, den es zu verfolgen gilt — sei es im Bereich der Materialien, der Data Analysis oder Sensorik — um Risiken zu reduzieren und international wettbewerbsfähig zu bleiben", erklärt Petra Seppi des NOI Techpark Teams.

Peter Fill gemeinsam mit Unternehmen, Forschern und den Experten des NOI Techparks in Gröden

Der Safety Innovation Summit brachte die Elite der Akteure der Skiwelt zusammen: vom zweimaligen Gewinner des Abfahrtsweltcups, Peter Fill, über Vertreter von internationalem Skiverband FIS bis hin zu renommierten Unternehmen wie SPM, Liski, Alpina, Mbs, Skipp, MND Group, SV Silvano Vidori, das Technologielabor von Dainese (Dairlab) und Prinoth, doch auch Start-ups und Forschungseinrichtungen wie die Universitäten von Padua und Innsbruck oder Eurac Research waren mit von der Partie. Letztere, ein Südtiroler Forschungszentrum, hat ihren terraXCube im NOI Techpark in Bozen präsentiert, ein Labor der neuesten Generation, in dem es möglich ist, Experimente durchzuführen, für die die Simulation extremster Klimazonen der Erde notwendig ist – von den heftigen Schneestürmen der Himalaya-Gipfel bis hin zur Gluthitze der nordafrikanischen Wüsten. „Die Phase der Materialprüfung ist sehr wichtig. Für ein Unternehmen wie das unsere, das seit 42 Jahren in der Branche tätig ist, und nie aufgehört hat, zu innovieren, ist die Möglichkeit der Nutzung eines solchen Labors ein Wendepunkt", unterstreicht Ruggero Parigi, Präsident von Liski, dem offiziellen Ausrüster zahlreicher olympischer Wettbewerbe. 

„Für die Organisatoren internationaler Veranstaltungen wie der Skiweltcup ist es unerlässlich, auf innovative und leistungsstarke Materialien zurückgreifen zu können, die ein Höchstmaß an Sicherheit auf der Piste gewährleisten. Es wurde in dieser Hinsicht bereits viel getan, jedes Jahr wird versucht, sich zu verbessern, doch es gibt noch viel zu tun. Der Spielraum für weitere Verbesserungen ist enorm", bestätigt Rainer Senoner, Präsident des Saslong Classic Clubs, des Ausrichters der Ski-Weltcuprennen in Gröden. Mit ihm hatten die Teilnehmer des Summits – auf Skiern – die Möglichkeit, die neuen schnittfesten Rutschplanen zu besichtigen, die auf der legendären Saslong für die Südtiroler Etappe des Weltcups installiert worden sind – die Planen sollen Unfälle wie jenen von David Poisson verhindern. „Aber“, warnt Elena Gaja von der FIS-Kommission, die die Wettkampfpisten homologiert, „ein Nullrisiko gibt es nicht, vor allem nicht beim Skifahren: Es handelt sich dabei um eine Sportart, bei der viele Variablen Einfluss nehmen, die sich von einem Moment auf den anderen ändern können, man denke nur an Qualität und Quantität des Schnees, die Sonneneinstrahlung, den Wind, die Temperaturen, die Fahrtgeschwindigkeit der Athleten. Beim Skifahren arbeiten wir nicht in einer Indoor-Anlage, sondern in einer ‚Sporthalle‘ unter freiem Himmel. Deshalb ist es nützlich, die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können.“

„Wir Athleten vertrauen uns Unternehmen und Veranstaltern an, damit sie für die bestmöglichen Sicherheitsbedingungen sorgen“

Denn schließlich entsteht Innovation immer „outside the box". „Es ist für die Welt der Forschung grundlegend, mit Unternehmen und Akteuren der Skiindustrie zusammenzuarbeiten, denn nur so können wir unser Studien bestmöglich ausrichten und effektive Lösungen für konkrete Probleme finden", führt Michael Hasler vom Forschungszentrum Schnee, Ski und Alpinsport in Innsbruck aus und ergänzt: „In unserer Forschung nutzen wir statistische Analysen, um potenzielle Gefahren für Skifahrer zu identifizieren. Mit biomechanischen Techniken definieren wir dann die am besten geeigneten Lösungen zur Verbesserung von Materialien und Ausrüstung, um Risiken zu reduzieren.“ Gefahren, die sowohl im Training als auch während des Wettkampfes auf ein Minimum reduziert werden müssen, auch deshalb, weil – wie Ski-Ass Peter Fill erinnert – „wir Athleten uns Unternehmen und Veranstaltern anvertrauen, damit sie die bestmöglichen Sicherheitsbedingungen sicherstellen. Sodass wir, sobald wir das Starthaus verlassen, dass Maximale geben können um die Bestzeit zu verbessern, jedes Mal aufs Neue.“

Fact Sheet

Der Safety Innovation Summit ist ein Event von IDM Südtirol – Alto Adige, der 48 Stunden lang Experten der Skiwelt in Südtirol – in Bozen und Gröden – zusammengebracht hat: von Athleten bis zu Organisatoren der wichtigsten Veranstaltungen des Sektors, von führenden Unternehmen bis zu Forschungseinrichtungen. Ziel des Summits ist die Förderung der Innovationen zur nachhaltigen Entwicklung der Sicherheit von Skipisten sowie -rennen, wobei besonders der Schutz am Streckenrand und alle Aspekte der Pistenverwaltung im Fokus stehen. Die 40 Teilnehmer, aufgeteilt in Teams, beschäftigten sich bei der diesjährigen Auflage des Events mit dem Thema, indem sie in verschiedenen Workshops arbeiteten und sich selbst von möglichen Lösungen entlang der Saslong überzeugten, jener Piste, die am 14. und 15. Dezember einen Super-G und eine Abfahrt des alpinen Skiweltcups der Herren zu Gast hatte. Das Südtiroler Wirtschafts-Ökosystem, das stets an vorderster „Front“ an Innovation arbeitet, bildete den Rahmen für das Know-how der verschiedenen Akteure, die am Summit teilgenommen haben, um die Sicherheitsstandards auf den Pisten zu erhöhen.